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Neue EU-Brexit-Vertragsverletzungsverfahren

Charles Riordan
Juli 26, 2022

Am 22. Juli eröffnete die EU-Kommission vier neue Vertragsverletzungsverfahren gegen das Vereinigte Königreich wegen angeblicher Verletzung des Nordirland-Protokolls von 2021 über Bedingungen im Zusammenhang mit zollrechtlichen Anforderungen, Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuer. Die EU hat seit 2021 sieben Klagen wegen des Protokolls gegen das Vereinigte Königreich eingeleitet.

Das Nordirland-Protokoll

Nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU im Jahr 2020 waren sich die Parteien einig, dass Zollkontrollen an der Landgrenze zwischen Nordirland und der Republik Irland zu politischer Instabilität führen könnten. Das Protokoll war ein Versuch, Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern zu vermeiden.

Stattdessen stellt das Protokoll sicher, dass die Zollkontrollen in den nordirischen Häfen durchgeführt werden, bevor Waren in die Republik Irland freigegeben werden. Durch diesen Prozess wurde effektiv eine Zollgrenze an der Irischen See geschaffen. Darüber hinaus erlaubt das Protokoll Nordirland, die EU-Vorschriften über Produktstandards und Mehrwertsteuervorschriften in Bezug auf Waren zu befolgen.

Mögliche Änderungen des britischen Protokolls

Das Protokoll war im Vereinigten Königreich umstritten, da es spezielle Regeln für Nordirland festlegt, die in England, Schottland oder Wales nicht gelten. Mitglieder der regierenden Konservativen Partei des Vereinigten Königreichs — darunter Liz Truss, eine Spitzenreiterin als Nachfolger von Boris Johnson als britischer Premierminister — haben kürzlich ein Gesetz über das Protokoll von Nordirland vorgelegt, das es dem Vereinigten Königreich ermöglichen würde, die Bestimmungen des Protokolls zu ändern.

Der Gesetzentwurf zielt unter anderem darauf ab, die Streitbeilegung aus der Zuständigkeit des Gerichtshofs der Europäischen Union zu streichen, genehmigt „grüne [Fast Track] -Kanäle“ für Waren, die innerhalb des Vereinigten Königreichs bleiben, und ermöglicht die gesamte britische Mehrwertsteuerpolitik. Befürworter des Gesetzes behaupten, er sei notwendig, um die „wesentlichen Interessen“ des Friedens in Nordirland zu schützen.

Kontroverse um die Änderung des Protokolls

Vertreter der Europäischen Union haben diesen Gesetzesentwurf jedoch als potenziellen Verstoß gegen das Völkerrecht verurteilt. In ihren jüngsten Vertragsverletzungsverfahren behauptet die EU, dass das Vereinigte Königreich Teile des Protokolls überhaupt nicht inhaltlich umgesetzt hat.

Insbesondere behauptet die EU, dass:

  • Das Vereinigte Königreich übt keine angemessenen Kontrollen des Warenverkehrs von Nordirland nach Großbritannien aus.
  • Das Vereinigte Königreich hat die bestehenden EU-Vorschriften über Verbrauchsteuern auf Alkohol und alkoholische Getränke noch nicht in nationales Recht umgesetzt. Darüber hinaus hat das Vereinigte Königreich keine Hinweise darauf gegeben, dass es die neuen EU-Vorschriften über Verbrauchsteuern, die am 13. Februar 2023 in Kraft treten, in Gesetz umsetzen wird.
  • Das Vereinigte Königreich hat nicht die notwendigen technischen Maßnahmen ergriffen, um das Import One Stop Shop Scheme (IOSS) für Nordirland umzusetzen.

Der letzte Punkt ist für Mehrwertsteuerzwecke besonders interessant, da das IOSS-Programm ein charakteristisches Element der EU-Initiative „Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter“ ist.

Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts wurde das Gesetz über das Protokoll von Nordirland noch nicht vom britischen Parlament angenommen. Es wartet auf eine Überprüfung im House of Lords. Das Vereinigte Königreich und die EU haben erklärt, dass weitere Verhandlungen über das Protokoll die bevorzugte Option wären. In den Einzelheiten bleiben die Parteien jedoch weit voneinander entfernt.

Die EU hat dem Vereinigten Königreich zwei Monate Zeit gesetzt, um auf die Vertragsverletzungsklage zu reagieren. Wenn keine neuen Vereinbarungen getroffen werden, könnte die Aktion zu Bußgeldern und/oder Handelssanktionen zwischen den Parteien führen. Steuerzahler, die grenzüberschreitenden Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU betreiben, sollten sicherstellen, dass sie über zukünftige Entwicklungen auf dem Laufenden bleiben.

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Author

Charles Riordan

Charles Riordan is a member of the Regulatory Analysis team at Sovos specializing in international taxation, with a focus on Value Added Tax systems in the European Union. Charles received his J.D. from Boston College Law School in 2013 and is an active member of the Massachusetts Bar.
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