IOSS verstehen – FAQ zum EU-Mehrwertsteuerpaket für den elektronischen Handel

Ognyan Slavov
Januar 4, 2022

Das EU-Mehrwertsteuerpaket für den elektronischen Handel wurde im Juli 2021 eingeführt. Die neuen Regelungen, One Stop Shop (OSS) und Import One Stop Shop (IOSS), bringen erhebliche Änderungen bei der mehrwertsteuerlichen Behandlung und den Meldeverfahren für Verkäufe an Privatpersonen in der EU.

Im letzten unserer Serie von FAQ-Blogs beantworten wir einige der am häufigsten gestellten Fragen zum IOSS.

In früheren Beiträgen haben wir uns mit , dem Verständnis von Markthaftung, dem Verständnis von OSS und dem Verständnis von IOSS und Importen beschäftigt.

F: Was ist die IOSS-Mehrwertsteuer?

Bei der IOSS-Mehrwertsteuer handelt es sich um die Mehrwertsteuer, die zum Zeitpunkt der Lieferung erhoben und anschließend an die Steuerbehörde des Mitgliedstaats der Identifizierung (MSI) abgeführt wird.

Nach der alten Regelung musste der Lieferer beim Verkauf von aus Drittländern eingeführten Gegenständen an Privatpersonen normalerweise zunächst die Einfuhrumsatzsteuer abrechnen, dann die Mehrwertsteuer auf die anschließende Lieferung (den Verkauf an die Privatperson) und schließlich die Einfuhrumsatzsteuer abziehen.

Beim IOSS ist stattdessen die Mehrwertsteuer auf die Einfuhr befreit, und nur die Mehrwertsteuer auf die anschließende Lieferung muss erhoben und an die Steuerbehörde abgeführt werden.

F: Was ist IOSS?

IOSS ist die Abkürzung für Import One Stop Shop. Dabei handelt es sich um eine Sonderregelung, die die Registrierungspflichten für Steuerpflichtige vereinfacht, die Fernverkäufe von aus Drittländern eingeführten Waren an Privatpersonen in der EU tätigen.

Ähnlich wie beim OSS können sich Steuerpflichtige beim IOSS in einem einzigen EU-Mitgliedstaat registrieren lassen und dort Mehrwertsteuer abrechnen, die eigentlich in anderen Mitgliedstaaten geschuldet war.

Hier ein Beispiel. Ein Unternehmen, das in den Niederlanden für das IOSS registriert ist, kann seine Verkäufe an deutsche, französische, italienische, polnische usw. Kunden in seiner niederländischen IOSS-Meldung ausweisen und so vermeiden, dass es sich in mehreren Ländern registrieren lassen muss.

Weitere Vorteile der Nutzung der Systeme sind:

  • Inanspruchnahme der Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer.
  • Bei der Einfuhr werden keine Zollgebühren fällig.

Die Regelung ist jedoch auf Sendungen von bis zu 150 EUR beschränkt. Darüber hinaus erfordert die Inanspruchnahme der Regelung eine sorgfältige Analyse des Profils des Steuerpflichtigen, der Art und Weise, wie die Lieferkette strukturiert ist, und anderer Faktoren. All diese Faktoren wirken sich auf die Berechtigung des Unternehmens zur Inanspruchnahme der Regelung und auf die in bestimmten Fällen erforderliche Bestellung eines besonderen Vertreters für die Zwecke der Regelung aus.

Wenn ein solcher Vertreter erforderlich ist, haftet er gesamtschuldnerisch für die IOSS-Verpflichtungen des Steuerpflichtigen. Es ist auch wichtig zu beachten, dass ein solcher Vertreter in der EU ansässig sein muss.

F: Was ist eine IOSS-Nummer?

Eine IOSS-Nummer ist die spezifische Kennung für das IOSS-System, die von der MSI (dem Land, in dem der Steuerpflichtige für das System in Frage kommt oder sich dafür entscheidet) den Steuerpflichtigen zugewiesen wird, die sich für die Nutzung dieses Mechanismus entschieden haben.

Die IOSS-Identifikation ist zwar eine Art der Mehrwertsteuer-Identifikation, aber keine eigentliche gebietsansässige Mehrwertsteuer-Registrierung im MSI.

Stattdessen handelt es sich um eine IOSS-Nummer speziell für die Zwecke des Systems. In diesem Sinne können nur die förderfähigen Leistungen unter Verwendung der IOSS-Nummer und der IOSS-Registrierung verbucht werden. Falls der Steuerpflichtige andere Leistungen erbringt, für die eine reguläre MwSt-Registrierung erforderlich ist, sollte diese beantragt werden, um die Anforderungen zu erfüllen.

F: Wie viel kostet das IOSS?

Die Kosten für die Einhaltung der IOSS-Vorschriften können in Abhängigkeit von mehreren Faktoren variieren. Sie werden letztlich beeinflusst durch:

  • Der Umfang und die Qualität der von den verschiedenen Anbietern angebotenen Dienstleistungen. Ein Billiganbieter hätte beispielsweise den besten Preis, würde aber nicht den vollen Umfang an Compliance-Dienstleistungen in Form von detaillierten Datenüberprüfungen, sofortiger Kundenkommunikation, Bereitstellung von Compliance- oder Ad-hoc-Beratungsdiensten anbieten. Andererseits wären Anbieter aus dem mittleren Marktsegment am besten geeignet, einen ausgewogenen Preis zu bieten, der den Mehrwert einer kohärenteren, konsistenteren und qualitativ hochwertigeren Dienstleistung mit sich bringt.
  • Die Anforderung, einen in der EU ansässigen IOSS-Vertreter zu benennen. Sollte ein Steuerpflichtiger beispielsweise einen solchen Vertreter bestellen müssen, wären die Kosten höher, da dieser gesamtschuldnerisch für die IOSS-Verpflichtungen des Steuerpflichtigen haftet.

F: Wer braucht eine IOSS-Nummer?

Eine IOSS-Nummer ist für jeden Steuerpflichtigen erforderlich, der das IOSS-Sonderverfahren in Anspruch nehmen möchte. Dieser Mechanismus ist nicht verpflichtend, so dass es keine Verpflichtung gibt, eine IOSS-Nummer zu beantragen.

Es ist jedoch ratsam, dass jeder Steuerpflichtige, der Leistungen erbringt, die im Rahmen des IOSS gemeldet werden können, diese Option in Betracht ziehen sollte, da sie einige erhebliche Vorteile bietet. Dabei sollten natürlich auch die zahlreichen Anforderungen und Bedingungen berücksichtigt werden, die erfüllt werden müssen, wenn man sich für die Nutzung des IOSS-Systems entscheidet.

F: Was ist der Unterschied zwischen IOSS und OSS?

Beides sind Sonderregelungen zur Vereinfachung der Registrierungspflichten für Steuerpflichtige, die an B2C-Lieferungen beteiligt sind. Sie bieten die Möglichkeit, die in mehreren EU-Mehrwertsteuergebieten geschuldete Mehrwertsteuer mit einer einzigen Registrierung und nur einer IOSS- oder OSS-Erklärung abzurechnen.

Der Unterschied zwischen den beiden Systemen liegt in den verschiedenen Arten von Lieferungen, die berücksichtigt werden können. Genauer gesagt:

  • Das IOSS kann nur für den B2C-Fernabsatz von aus Drittländern eingeführten Waren verwendet werden, wobei die förderfähigen Lieferungen auf einen einzelnen Sendungswert von bis zu 150 EUR beschränkt sind.
  • Die OSS kann zur Verbuchung von innergemeinschaftlichen B2C-Fernverkäufen von Waren verwendet werden, unabhängig vom Wert der Sendung.

Der Hauptunterschied besteht darin, dass sich die Waren beim IOSS zum Zeitpunkt des Verkaufs in einem Drittland (außerhalb des Zollgebiets der EU) befinden, während sich die Waren beim OSS im Gebiet der EU befinden.

F: Muss ich mich für IOSS anmelden?

Nein, das IOSS ist derzeit eine optionale Regelung für Steuerpflichtige. Wird es nicht in Anspruch genommen, gelten für die Leistungen des Steuerpflichtigen die normalen Vorschriften, und je nach Art der Leistung kann stattdessen eine normale MwSt-Registrierung erforderlich sein.

F: Was ist die IOSS-Steuer-ID?

Die IOSS-Steuer-ID ist die spezielle IOSS-Mehrwertsteuernummer, die einem Steuerpflichtigen zugeteilt wird, der sich für die Teilnahme am IOSS-System entschieden hat. Es handelt sich dabei nicht um eine reguläre Mehrwertsteuernummer, die im Rahmen einer normalen Mehrwertsteuerregistrierung vergeben wird, sondern sie wird verwendet, um einen Steuerzahler speziell für die Zwecke des Systems zu identifizieren.

Praktisch bedeutet dies, dass die IOSS-Nummer auf jeder Sendung/Lieferung angegeben werden muss, um sie als im Rahmen des IOSS förderfähig zu kennzeichnen, was auch möglich wäre:

  • 1Schnellere Zollverfahren
  • Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer
  • Es werden keine Zollgebühren erhoben
  • Die in der monatlichen IOSS-Mehrwertsteuererklärung des Steuerpflichtigen auszuweisende Mehrwertsteuer auf die Lieferung

Jetzt sind Sie dran

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Ognyan Slavov

Ognyan Slavov is a VAT consultant within the consulting services team at Sovos. With his diverse legal background and understanding of EU VAT Law, he has specialized in EU VAT helping customers with the challenges of an ever-changing indirect tax landscape and providing valuable advice on cross-border transactions. Ognyan has Master’s degree in Law from the University of Sofia, Bulgaria and a Specialization in European Union Law form the Universitè de Lorraine, Nancy, France.
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